Unbekannt Verzogen – Magnus Klaue über Touristenhass und die Unmöglichkeit des Wohnens

Mitschnitt der Hipster Antifa Neukölln Veranstaltung vom 4.12.2012 im Laidak mit einem typisch zynischen, aber wie immer brilliant analytischen Magnus Klaue in Hochform.

Download bei freie-radios

«Seit kurzem ist das in linken Großstadtkiezen verbreitete Ressentiment gegen »Touristen« zu einem Topos antideutscher Kritik avanciert. Der Touristenhass wird als Ausdruck einer regressiven Kapi- talismuskritik und linksromantischen Kiezhygiene verstanden. Doch der Kiez ist nicht einfach ein in die Stadt implementiertes Dorf. Die Solidarisierung mit den »Touristen« übersieht, dass die sich als post- moderne Bohème aufspielenden hipp-prekären Freiberufler, die, sei es als Einheimische oder Gäste, den Aufenthalt in jenen Kiezen so unerquicklich machen, die Karikatur eines Weltbürgertums darstellen, an dessen Verwirklichung niemand mehr glaubt. Teilzeit-WGs, »Couch Surfing« usw. sind Ausdruck einer Wirklichkeit, in der die Differenz zwischen Wohnen und Reisen liquidiert ist. Wenn sich das Dasein in eine Folge von Mitfahrgelegenheiten verwandelt und man in Intim- leben wie Beruf nur noch aus dem Koffer lebt, agieren die Menschen ihre enttäuschte Sehnsucht nach Seßhaftigkeit im Hohn auf unflex- ible Stubenhocker aus, während sich ihre Verachtung des eigenen erzwungenen Nomadentums im Hass auf jene Bahn bricht, die es sich scheinbar leisten können, durch die Welt zu schweifen. Demgegen- über soll der Vortrag zeigen, dass das repressive Kollektiv angesicht der »Dislokation der Menschheit« (Adorno) längst selbst aus denen besteht, die vorübergehen.»

Artikel von Magnus Klaue zum gleichen Thema: Unbekannt Verzogen (konkret)

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Comment

You may use these tags : <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>